Willkommenscafé

‘Der Winkel’ in Bad Belzig

Willkommenscafé


„Den Kopf in den Sand stecken und die Stadt braunen Kräften überlassen, das ist keine Option!”

Zwei kaputte Fensterscheiben brachten den Flüchtlingstreffpunkt ‚Der Winkel’ im brandenburgischen Bad Belzig in die Heute-Nachrichten: Zum wiederholten Mal seit seiner Gründung vor 16 Jahren wurde das sogenannte Infocafé vom Belziger Forum e.V. zum Ziel rechtsextremer Gewalt. Doch die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins lassen sich nicht unterkriegen: Sie öffnen das Café jeden Tag aufs Neue für die Flüchtlinge des Belziger Übergangsheimes und werben für mehr Toleranz und weniger Rassismus.

Franziska Strencioch ist Mädchen für alles im Infocafé. Hier hilft sie einem Flüchtling beim Ausfüllen eines Antrags. (c) Kathrin Harms 2015

„In den vergangenen drei Jahren ist die rechte Szene in und um Bad Belzig wieder stärker geworden. Es gab ‚Nein zum Heim’-Demonstrationen und immer wieder Anschläge auf unser Café. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen! Es ist wichtig, dass wir den Neonazis Paroli bieten!

Der Landkreis ist überlastet. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Informationen. Heimleiter und Kommune wurden schon des Öfteren mit einem Bus neuankommender Flüchtlinge überrascht. Die Bürger werden nicht direkt, sondern nur über die Lokalzeitung informiert.

Kleiderspenden der Belziger Bevölkerung werden von den Angekommenen ausgesucht. (c) Kathrin Harms 2015

Es melden sich gerade Gott sei Dank viele Ehrenamtler, die den Flüchtlingen helfen wollen. Alleine könnten wir das gar nicht bewältigen. Die Flüchtlinge wollen Deutsch lernen, aber bis Ende des Jahres wird es keine vom Land finanzierten Deutschkurse geben. Also werden wir das selber organisieren.

Ehrenamtliche engagieren sich im Info-Cafe "Der Winkel" fuer Gefluechtete. (c) Kathrin Harms 2015

Kunst gegen Randale: Bis Geld für die neuen Fensterscheiben da ist, haben die Mitarbeiter des Infocafé die Scheiben bunt verziert. (c) Kathrin Harms 2015

Als Stadtverordneter bin ich gut vernetzt, das ist sehr hilfreich für unseren Verein. Ich bin eher der Organisator im Hintergrund, der dafür sorgt, dass für Veranstaltungen alles an Ort und Stelle ist. Wir planen gerade ein Solidaritätskonzert. Dazu wollen wir die Belziger Bürger und die Flüchtlinge einladen und Spenden für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit sammeln.

Ich wurde sehr humanistisch erzogen, deshalb steht für mich immer schon der Mensch im Mittelpunkt. Wenn Menschen Hilfe brauchen, dann kriegen sie Hilfe.“

Jens Gruszka ist eigentlich Feuerwehrmann. Seit 16 Jahren engagiert er sich im Verein des Infocafés für die Flüchtlinge in Belzig und gegen Rassismus.

Jens Gruszka ist eigentlich Feuerwehrmann. Seit 16 Jahren engagiert er sich im Verein des Infocafés. (c) Kathrin Harms 2015

Infocafé des Belziger Forum e.V.:

Das Infocafé ‚Der Winkel’ des Belziger Forum e.V. in der Belziger Innenstadt ist eine wichtige Anlaufstelle für die Bewohner des Übergangsheimes. Hier können sie kostenlos das Wlan-Netz benutzen, mit ihren Familien skypen. Alle Mitglieder des Vereins engagieren sich ehrenamtlich. Sie übernehmen Dienste im Café, welches jeden Tag von 9.30 bis 16.30 Uhr für die Flüchtlinge geöffnet ist, unterstützen die Flüchtlinge bei bürokratischen Fragen, sammeln Spenden und verteilen sie an die Bewohner des Heimes. Außerdem gibt es interkulturelle Abende zu der die Flüchtlinge und Belziger Bewohner eingeladen werden.

www.derwinkel.de

www.betterplace.org/p26388

 

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