Der Arzt

Sprechstunde in der Notunterkunft

Arzt


“Das größte Problem ist die Unsicherheit.”

Im Dezember 2014, genau zwei Tage vor Weihnachten, wurden 200 Flüchtlinge in einer Turnhalle in Berlin-Dahlem untergebracht. Mitglieder der dortigen evangelischen Gemeinde wollten helfen. So auch die Ärztin Pia Skarabis-Querfeldt. Sie brachte den Flüchtlingen Kleidung in ihre Notunterkunft und erkannte, dass es vor allem an einem fehlte: Medizinischer Versorgung. Zusammen mit ihrem Mann organisierte sie ein Ärzteteam, das ehrenamtlich Sprechstunden in Flüchtlingsunterkünften anbietet. Einmal die Woche behandeln Dr. Klaus Burghard und sein Team ehrenamtlich Flüchtlinge.

Dr. Klaus Burghard behandelt ehrenamtlich Flüchtlinge, die in einer Notunterkunft in Dahlem untergebracht sind. (c) Harms/Franquesa 2015

Dr. Klaus Burghard behandelt ehrenamtlich Flüchtlinge, die in einer Notunterkunft in Dahlem untergebracht sind. (c) Harms/Franquesa 2015

„Ich war einmal in der Woche für eine Sprechstunde in der Flüchtlingsunterkunft. Für Einzelfälle bin ich manchmal auch gesondert hingefahren. Am Anfang mussten mehrere Ärzte in einer Sprechstunde anwesend sein: Es kamen teilweise 60 bis 70 Flüchtlinge zu uns. Wir untersuchen die Flüchtlinge und überweisen sie dann je nach Bedarf an einen Spezialisten. Am Anfang gab es viele Erkältungskrankheiten, vor allem bei den Kindern. Viele Flüchtlinge waren von ihrem Fluchtweg sichtlich erschöpft, zeigten Anzeichen einer Depression.

Dr. Klaus Burghard prüft das verletzte Bein eines jungen Mannes

Der Arzt untersucht das verletzte Bein eines jungen Mannes. (c) Harms/Franquesa

Das größte Problem ist die Unsicherheit über ihren Aufenthaltsstatus, diese Ungewissheit darüber, wie lange sie hier bleiben können. Viele meiner Patienten kommen aus Syrien und Afghanistan, es kamen aber auch schon Menschen aus Vietnam und Eritrea in die Sprechstunde. Unter den Flüchtlingen gibt es meist jemanden, der gut Englisch spricht und übersetzen kann. Auch die hauptamtlichen Mitarbeiter in der Notunterkunft haben uns ebenfalls sehr unterstützt.

Ich habe die Sprechstunde in der Dahlemer Notunterkunft vier Monate bis zu ihrer Schließung betreut. Wir waren ein tolles Team! Eine Kunsthistorikerin aus unserer Gemeinde hat mich als Sprechstundenhilfe unterstützt. Wir werden uns nun weiter gemeinsam in einer anderen Unterkunft engagieren.“

Dr. Klaus Burghard 

Pfarrer Dekara koordiniert die Flüchtlingshilfe in seiner Gemeinde in Berlin-Dahlem.

Pfarrer Dekara koordiniert die Flüchtlingshilfe in seiner Gemeinde in Berlin-Dahlem. (c) Kathrin Harms

 

Medizin hilft Flüchtlingen

Nach ihren Erfahrungen in der Flüchtlingsunterkunft in Dahlem gründete Dr. Pia Skarabis-Querfeldt die Plattform ‚Medizin hilft Flüchtlingen’. Ärzte, die sich wie sie ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren möchten, finden hier alle notwendigen Informationen. „Wir möchten unsere Erfahrungen weitergeben und andere ermutigen, einen ähnlichen Weg zu gehen“, so die Medizinerin.

www.medizin-hilft-fluechtlingen.de

Dr. Klaus Burghard behandelt (zusammen mit Aerztekollegen) ehrenamtlich Fluechtlinge, die in einer Notunterkunft in Dahlem untergebracht sind. (c) Kathrin Harms & Esteve Franquesa 2015

Dr. Klaus Burghard behandelt ehrenamtlich Flüchtlinge, in einer Notunterkunft in Berlin-Dahlem.

Pfarrer Oliver Dekara engagiert sich in seiner Gemeinde Berlin-Dahlem

Pfarrer Oliver Dekara koordiniert die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit in seiner Gemeinde in Berlin-Dahlem.

Dr. Pia Skarabis-Querfeld behandelt kostenlos Flüchtlinge in den Berliner Notunterkünften.

Dr. Pia Skarabis-Querfeld behandelt kostenlos Flüchtlinge in den Berliner Notunterkünften.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Pin on Pinterest